whoisconstantin

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Donnerstag, 13. Dezember 2018

Freitag, 30. November 2018

Gefühl der Heimat

Es gibt eine beliebte Buchhandlungskette in der Stadt, es ist unmöglich, sie nicht zu kennen. Unmöglich, das Logo nicht schon einmal gesehen zu haben, das mit der grünen Dame, mit der namensgebenden, windigen, grünen Muse, die den kobaltblauen Schriftzug neben ihr anlächelt oder verbläst, je nachdem.

Heute stehen die Zeichen auf Sturm. Es ist der 28. November 2018 und wieder trete ich in ihre Filiale am Rand der Flaniermeile, presse mich durch eine unzählbare Masse an Menschen, als wäre ich immer noch im Museum, gefangen im monetschen Ausnahmezustand. Und irgendwo, da stimmt es auch, für mich ist es ein Museum: Jedes Buch ein Exponat, jede Bindung ein Kunststück, jeder U4-Text ein Kuratorenwitz. Es ist ein Museum ohne Aufsicht, eine Ausstellung zum Anfassen, bunt, global und wechselhaft, hunderte, tausende Künstler und Werke, in die man sich hineinlesen muss. In dieses Museum verschlägt es mich, tagein, tagaus, hier stöbere, hier suche, hier finde ich die Bücher, die ich später in einem Laden kaufe, von dem niemand das Logo kennt. Weil er keines hat, nie eines haben wird.

In der Kettenfiliale dagegen ist alles Logo. Auf Regalen, am Sackerl, auf Lesezeichen, Übersichtsplänen, überall prangt die kobaltblaue Schrift, der Name, die Marke. Die Marke. Sie ist es, die die Massen abholt, die Räume und Konten füllt. Menschen mögen Marken, immer schon. Ein frittengelber Doppelbogen, eine zweischwänzige Kaffeenixe, eine grüne Büchermuse – die Marke schenkt Vertrauen. Immer schon ist sie bekannt, nie überrascht sie; und was nicht überrascht, kann nicht enttäuschen. Sie ist das Wissen: Was ich hier bekomme, das ist vielleicht lieblos, ist vielleicht überteuert, ist vielleicht nicht besonders – aber ich bekomme es. Die Marke ist der Schutzpatron der Beständigkeit. Sie ist der Tod der Überraschung, das Ende des Empfindens. Sie ist Wohlstand. Ein Privileg.

Die Filiale auf der Flaniermeile hat drei Stockwerke. Im ersten Stock ist eine Toilette, auf der Toilettentür ein Schild, auf dem Schild eine Information. Sie lautet: „Aus Gründen der Sicherheit und Hygiene bitte [sic] wir sie [sic] keine Ware in den Toilettenbereich mitzunehmen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!“ – Nein, ich erfinde, ich träume das nicht, ich habe aufgehört, Kafka zu kopieren, ich will schwören, dieses Schild existiert, und es ist wohl tatsächlich die beste, die klarste Erklärung für ein diffuses Gefühl, das sich immer nur schüchtern und unvollständig erklären lässt: Das Gefühl meiner Heimat. Die Marke hat mir die Überraschung genommen, dieses Schild nimmt mir die Mündigkeit. Ich lebe in einem reichen, demokratischen Staat, in dem das Bedürfnis herrscht, seine Bürger schriftlich darauf hinweisen zu müssen, keine ungekauften Bücher zum Kacken auf eine Buchhandlungstoilette mitzunehmen. Aus Gründen der Sicherheit und Hygiene.

Heute ist der 28. November 2018, nur zwei Länder weiter tritt gerade das Kriegsrecht in Kraft, und in meiner nächsten Umgebung herrschen akute Sicherheitsbedenken, dass der Volksverstand nicht ohne Hinweis fähig ist, seine Notdurft in der Halböffentlichkeit ohne ungekaufte Neuware zu verrichten. Soviel Freiheit, soviel Frieden und Wohlstand zu besitzen, um einen solchen Hinweis überhaupt formulieren zu können (der, im schlimmsten Fall, seine Berechtigung erhält) – das, würde ich sagen, ist die Kurzfassung dessen, was diesen Staat, was meine Heimat ausmacht oder kleinmacht, je nachdem. Ein Privileg.

Montag, 26. November 2018

Position und Sprache

Ein Grund, warum ich meinen schlechten Job so mag, sind meine Kollegen. Ich arbeite neben wundersamen, unwahrscheinlichen Menschen mit diversesten Lebensläufen und Geburtsflaggen, ich diene weniger den vereinzelten Museen, als den Vereinten Nationen: Österreich, Ungarn, Italien, Deutschland, Schweiz, Schweden, Rumänien, Serbien, Kosovo, Türkei, Tunesien, Syrien, Iran, Ägypten, Kanada – ich kenne keinen Beruf, in dem mehr Internationalität herrscht als in der Museumsaufsicht.

Ein paar meiner Kollegen sind geflüchtet, viele studiert, niemand verbohrt. Die meisten haben Träume, oder zumindest Ziele, andere hatten sie, leben jetzt das Scheitern, ich bewundere sie alle. Viele sind jung, viele sind Teilzeit, manche über Fünfzig, alle unterbezahlt. Es ist die eine, die große Klammer, die uns alle eint, die Ironie der Gerechtigkeit in der Geringschätzung: egal, wie alt, egal, welches Geschlecht, egal, woher man kommt, egal, wie lange man die Stelle hält – wir alle verdienen gleich wenig. Nirgendwo herrscht mehr Gleichberechtigung als in einer Berufsposition, die nichts verspricht.

Hier, in den fensterlosen Ausstellungsräumen, hier gibt es keine geschlechtsabhängigen Gehaltsscheren, gibt es weder Über- noch Unterqualifikation, weder Bevorzugung noch Ausschließung. Jede und jeder ist herzlich willkommen, für einen Hungerlohn Position zu beziehen und sich die Kniescheiben schleichend zu zermürben; solange man nur annähernd die Sprache beherrscht. Es ist wirklich die einzige Voraussetzung für den Dienstanzug: Sprechen Sie Deutsch. Und jedes Mal, bei jedem Dienst, freue ich mich über die unikalen Akzente im Funkverkehr, die durchklingenden Herkünfte, die in mein Ohr rauschen, und ich kann wieder nicht fassen, wie man sich diese abgrundtief alogische deutsche Sprache innerhalb kürzester Zeit aneignen kann, wie man Deutsch überhaupt als Fremdsprache lernen kann oder möchte, und zu welch einmaligen Versprechern die Unbedarftheit fähig ist und wie überwältigend poetisch die winzigen grammatikalischen Fehlpässe meiner ausländischen Kollegen durch mein Gehör klingen und mir den Tag retten. Ein Haufen Dichter, und keiner von ihnen weiß es.

Es ist schon wieder ein Mittwoch, ich stehe wieder zwischen Monets Millionenimpressionen und unterdrücke meine konstante Müdigkeit, als plötzlich der Kollege aus Raum 1+2 in meine Richtung hetzt. Er wirkt ausgelöst, in großer Eile, verlässt seine Position, um mich einzuweihen, ich rechne mit dem Schlimmsten. Ein Notfall, ein Bildschaden, eine Herzattacke. Der Kollege bleibt abrupt stehen, nickt mir zu und sagt: „Du bist doch Österreicher, oder? Was ist der Unterschied zwischen rechnen, berechnen und verrechnen?“ – Ich bin eine Sekunde verwirrt, vielleicht zwei, dann erst begreife ich und versuche, es ihm zu erklären; es ist nicht leicht, es ist wirklich nie leicht, die deutsche Sprache einfach zu erklären, sie simpel und kurz zu halten. Ich suche Beispiele und Anschaulichkeiten, stottere, gestikuliere, der Kollege scheint zufrieden, geht zurück auf Position. Und erst Stunden später erkenne ich, dass die Antwort auf seine Frage im Grunde kinderleicht und völlig klar ist: rechnen heißt mit Zahlen spielen, berechnen heißt mit Resultaten spielen, und verrechnen heißt scheitern, also Leben spielen.

Im Übrigen ist die Aufsicht aus Raum 1+2 Ägypter; und studiert Germanistik.

Mittwoch, 7. November 2018

Monet verbindet


Ich lausche. Beobachte und lausche, schärfe meine Sinne, während ich neben der Gruppe stehe und der unendlich angenehmen, angelernt klaren Stimme der Kunstvermittlerin folge, die den Massen Monet erklärt. Seit einigen Wochen schon stehe ich wieder in einem neuen Objekt, dem wertvollsten Museum der Stadt, und hier, jetzt, heute, setzt Monet die Menschen in den Fluss, Menschen über Menschen über Menschen, die seinen fließenden Farben folgen. Nur für ihn, nur für den extravaganten Impressionisten öffnet das Haus schon eine Stunde früher, lässt mich eine Stunde länger mitfließen und ausfließen. Ich will ihm böse sein, doch es geht nicht, weil ich seiner Geschichte lausche, weil sie zu gut ist; Monet mag man eben.

Und tatsächlich, alle mögen ihn, besonders die späten Semester. Es ist ein Mittwoch, es ist, als würden alle alten Menschen dieser Stadt einheitlich in die Ausstellung pilgern, durch die fließenden Räume voller Seerosen, Winterlandschaften und hängenden Gärten. Als hätten sich alle Altersheime gleichzeitig entleert, ein gemeinsamer Ausgang, vielleicht einer der letzten, jedes Husten, jeder ihrer Schritte macht mir Sorge. Und immer wieder läutet ihnen das Telefon, das smarte, das jeder von ihnen besitzt, aber niemand bedienen kann, und immer wieder ist ihr Klingelton ein Albtraum, und nie finden sie das Gerät vor dem fünften Läuten, und nie, nie wissen sie sofort, wie man es abstellt, leiser macht, ausschaltet – warum schaltet ein Pensionist sein Telefon im Museum nicht aus? Und wer ist das nur, der ihn ständig anruft? Die verschollene Enkelin? Der Hausarzt?

Mit verstörender Verlässlichkeit läuten die Telefone der alten Massen, nicht nur heute, seit Wochen schon, während mir die Beine schwer werden, die Sohlen wieder Feuer fangen, und nicht einmal der samtweiche, monetblaue Teppichboden etwas hilft. Doch ich lausche. Ich lausche weiter und sehe den so unheimlich beliebten Franzosen in neuem Licht. Und ich erfahre, dass Schönheit nicht absolut ist, dass selbst Monet nicht immer schon schön war und sein erster Erfolg erst spät kam, sehr spät, erst mit Fünfzig. Seine erste Einzelausstellung soll die Leute gar so verstört haben, dass ein Besucher auf die Straße lief und einen Passanten in den Arm biss. „Warum hast du einen Menschen in den Arm gebissen?“, hätte man ihn gefragt. „Wegen Monet“, hätte er geantwortet.

Hundert Jahre später gilt dieselbe Kunst, die bis zum Menschenbiss verstörte, als eine der ästhetischsten, zartesten Farbanordnungen der Kunstgeschichte. Hundert Ölwerke hängen heute in der Ausstellung, jedes einzelne in Millionenhöhe versichert. Und er, der seine eigenen Farben mit dem Alter nicht mehr recht sehen konnte, er verbindet die einstige Ablehnung mit der heutigen Anerkennung, die Vergangenheit mit der Gegenwart, das Fließende mit dem Konservierten, die Alten mit den Jungen. Denn da, plötzlich, inmitten all der gebrechlichen Kunstveteranen, schlüpft ein Kind aus den hustenden Massen, und ich sehe, beobachte, wie es an der Kunstvermittlerin vorbeischlendert, wie ein verlorenes Wesen in der falschen Epoche, ein Kind mit Interesse, ein Kind mit Stil, es trägt einen schwarzen Pullover, und darauf in weißen Lettern die klare Botschaft: NOW IS THE NEW LATER.

Das ist sie, denke ich, die Wahrheit dieses Mittwochs, das ist die Zustimmung, die ich geben kann, will, werde. Jetzt muss man in diese Ausstellung gehen, jetzt muss man schreiben, jetzt muss man Monet mögen – und wenn nicht für seine Seerosen und Spaghettigärten, dann doch zumindest für die Tatsache, dass er bis Fünfzig geschmäht wurde und seine Zeitgenossen so aufwühlte, dass sie sich ineinander verbissen. Monet verbindet.

Donnerstag, 1. November 2018

Dienstag, 16. Oktober 2018

Die vierte Essenz

Sein Leben bestehe im Grunde aus vier Dingen, soll Borges einmal gesagt haben. Lesen, Denken, Schreiben und Genießen. Letzteres, fügte er an, sei ihm das Wichtigste gewesen. Warum aber fällt es oft so schwer, bedingungslos zu genießen, warum wirkt dieses Empfinden wie die Ausnahme und nicht die Regel? Anders gefragt: Warum fällt es so schwer, in dem Moment zu sein, in dem Moment sein zu wollen?

Ich denke, es ist so: Ich kann den Moment deshalb nicht genießen, weil ich eigentlich nicht hier sein möchte. Genuss erfordert vollkommene Akzeptanz der Gegenwart, die aus Zeit und Raum besteht. Und am Raum scheitert es; wenn ich die vierte, fünfte Stunde im Museum stehe, wehen meine Gedanken schon dem Ende der Schicht entgegen, sehnen sich nach dem Andernorts. Warum? Weil ich Hunger habe, weil die Sohlen brennen, weil ich Lesen, Schreiben, Schlafen möchte. Dinge, die ich in einer Monet-Retrospektive einfach nicht tun kann. Dinge, die der Dienstanzug nicht zulässt.

Dabei wäre jede Arbeit, jeder Museumsdienst so viel angenehmer, wenn ich ihn einfach bedingungslos annehmen würde, wenn ich die Tätigkeit ohne Sehnsucht genießen könnte. Ich kann eine Dienststunde nicht genießen, das heißt nichts anderes als: Ich möchte nicht hier sein. Ich möchte an meinem Esstisch, an meinem Schreibtisch sitzen, möchte mich im Lichtspielsaal verstecken, die Luft am Flussufer atmen, Kaffee aufsetzen, vielleicht verreisen. Weil es nicht geht, werde ich ungeduldig, frustriert, apathisch, im schlimmsten Fall verbittert. Jedes schlechte Gefühl ist ein Produkt des unglücklichen Zwanges, in einer Situation sein zu müssen, aus der man nicht raus kommt. Oder rauskommen könnte, aber sich vor den Konsequenzen scheut. Ein bemüht oberflächliches Gespräch mit einem Kollegen, der mir nichts sagt: Ich wünschte, ich wäre nicht hier. Jede schmerzhafte, peinliche Kindheitserinnerung kennt diesen Gedanken, den ersten Gedanken im Moment der Entblößung: Ich wünsche mich an einen anderen Ort. Ich wünsche mich überall hin, nur nicht hier, nur nicht in diesen Moment, von dem ich weiß, dass er sich einprägen wird. Das Gegenteil von  Genuss: Scham.

Wie so viele Schriftsteller war Borges im Leben nicht halb so gut wie im Schreiben (litt unter seiner Schüchternheit, hat sich wegen einer Frau fast umgebracht). Vielleicht hat er deshalb die Wichtigkeit des Genießens erkannt: weil es so schwer zu erreichen, noch schwerer zu bewohnen ist. Wenn ich meine Kindheit, meine Arbeit, mein Leben nicht genießen kann, weil ich mich immer am falschen Ort fühlte und fühle, mich wieder einmal für den Dienstanzug schäme, dann denke ich wieder an die vierte Essenz des Borges und versuche, selbst den falschen Ort zu mögen, ihm eine Chance zu geben, trotz allem. Und vielleicht ist das, irgendwo, die Aufgabe eines Lebens: hier sein zu wollen. Jetzt.

Mittwoch, 1. August 2018

Brief an Cocteau

Es gibt eine Stelle in Jean Cocteaus Kinder der Nacht, da wird von einem absurden Zimmer berichtet. Nachdem Elisabeths Angetrauter, der perfekte, reiche, unfassbar amerikanische Dandy Michael, an seinem teuren Dandyschal krepiert (während einer Fahrt im Sportcabrio wird ein Schalende in die Reifen wehen und seinem perfekten Träger den Kopf abreißen – Cocteaus Ironie im Nussschälchen: Kapitalismus tötet), wird der jungen Witwe das Haus des Toten vererbt, in das sie kurz darauf mit ihrem Bruder Paul, einer Schachfigur (Gérard) und einer tragischen Unschuld (Agathe) einzieht. Zu viert leben sie ohne Verpflichtung, ohne Ziel in Michaels perfekten Milliardärsbau, der kühl und steril in fünfzig faden Grautönen steht.

Bis auf dieses eine, absurde Zimmer. Eine unscheinbare Galerie, die gar keine ist, die kein Mensch braucht, die man trotzdem nicht wegbekommt, wie den störenden Rest einer Division mit falschen Zahlen – Kanapee, Schaukelstuhl, Globus, ein paar Leerstellen, ein Billardtisch, viel zu hohe Fenster, kurzum: nichts passt in diesem Zimmer. Und genau dieser Umstand, er macht ihn zum Herzstück einer sonst seelenlosen Maschine – „wo bei Michael ein Berechnungsfehler auftrat, dort konnte das Leben erscheinen; dies war der Augenblick, wo die Maschine menschlich wurde und zurücktrat.“

In den Augen von Elisabeth und Paul ist dieser Raum aus Stilbrüchen, ist dieses obskure, heimliche Restzimmer einer vermeintlichen Perfektion der einzige Ort, an dem das reiche Erbe menschlich wird. Mehr noch: selbst der tote Besitzer erhält erst mit diesem Zimmer seine Menschlichkeit. Ohne es zu wissen, hatte Elisabeth diesen reichen Amerikaner wegen einer Rumpelkammer geheiratet. Denn „dieser ungeheuerliche Abstellraum war Michaels Schwäche, sein Lächeln, das Beste seiner Seele.“

Ich stelle mir vor, dass Cocteaus Ironie vor diesen Worten stockte. Dass er an das Empfinden seiner schrecklich jungen Helden wirklich und fest geglaubt hatte. Dass die eigentlichen Glanzpunkte des Lebens in seinen versteckten kleinen Nischen stecken, die weder Nutzen, noch Vorzeigewert besitzen, und gerade deshalb so kostbar sind – sie posieren nicht, sie stehen einfach für sich. Sie sind verträumte Kunstwerke, Refugien, die niemand brauchen und niemand schätzen kann, außer diejenigen, die in ihnen wohnen, in ihnen leben.

Dass bei Cocteau noch Intrige, Gift und Selbstmord in dieses Zimmer finden – geschenkt. Die Tradition des Romans verlangt nach solcher Tragik, der Erfolg bekräftigt. Mich lässt es kalt. Wenn ich Kinder der Nacht lese, interessiert mich die reine Idee des Zimmers so viel mehr als das spätere Lügenschach, die Liebelei, der Abgang darin. Nicht für den Abriss des Bürgertums, für den Aufbau eines Kleinkunstreiches bewundere ich Cocteaus zeitlose Erzählung. Für die feine Hervorhebung dessen, was die Welt sein kann, wenn ich sie so sehen will, wenn auch nur für kurz: ein kunstsinniges Zimmer voller Stilbrüche, in dem ein lächelndes Herz schlägt.

Dieses Zimmer gilt es zu finden.