whoisconstantin

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Mittwoch, 1. August 2018

Brief an Cocteau

Es gibt eine Stelle in Jean Cocteaus Kinder der Nacht, da wird von einem absurden Zimmer berichtet. Nachdem Elisabeths Angetrauter, der perfekte, reiche, unfassbar amerikanische Dandy Michael, an seinem teuren Dandyschal krepiert (während einer Fahrt im Sportcabrio wird ein Schalende in die Reifen wehen und seinem perfekten Träger den Kopf abreißen – Cocteaus Ironie im Nussschälchen: Kapitalismus tötet), wird der jungen Witwe das Haus des Toten vererbt, in das sie kurz darauf mit ihrem Bruder Paul, einer Schachfigur (Gérard) und einer tragischen Unschuld (Agathe) einzieht. Zu viert leben sie ohne Verpflichtung, ohne Ziel in Michaels perfekten Milliardärsbau, der kühl und steril in fünfzig faden Grautönen steht.

Bis auf dieses eine, absurde Zimmer. Eine unscheinbare Galerie, die gar keine ist, die kein Mensch braucht, die man trotzdem nicht wegbekommt, wie den störenden Rest einer Division mit falschen Zahlen – Kanapee, Schaukelstuhl, Globus, ein paar Leerstellen, ein Billardtisch, viel zu hohe Fenster, kurzum: nichts passt in diesem Zimmer. Und genau dieser Umstand, er macht ihn zum Herzstück einer sonst seelenlosen Maschine – „wo bei Michael ein Berechnungsfehler auftrat, dort konnte das Leben erscheinen; dies war der Augenblick, wo die Maschine menschlich wurde und zurücktrat.“

In den Augen von Elisabeth und Paul ist dieser Raum aus Stilbrüchen, ist dieses obskure, heimliche Restzimmer einer vermeintlichen Perfektion der einzige Ort, an dem das reiche Erbe menschlich wird. Mehr noch: selbst der tote Besitzer erhält erst mit diesem Zimmer seine Menschlichkeit. Ohne es zu wissen, hatte Elisabeth diesen reichen Amerikaner wegen einer Rumpelkammer geheiratet. Denn „dieser ungeheuerliche Abstellraum war Michaels Schwäche, sein Lächeln, das Beste seiner Seele.“

Ich stelle mir vor, dass Cocteaus Ironie vor diesen Worten stockte. Dass er an das Empfinden seiner schrecklich jungen Helden wirklich und fest geglaubt hatte. Dass die eigentlichen Glanzpunkte des Lebens in seinen versteckten kleinen Nischen stecken, die weder Nutzen, noch Vorzeigewert besitzen, und gerade deshalb so kostbar sind – sie posieren nicht, sie stehen einfach für sich. Sie sind verträumte Kunstwerke, Refugien, die niemand brauchen und niemand schätzen kann, außer diejenigen, die in ihnen wohnen, in ihnen leben.

Dass bei Cocteau noch Intrige, Gift und Selbstmord in dieses Zimmer finden – geschenkt. Die Tradition des Romans verlangt nach solcher Tragik, der Erfolg bekräftigt. Mich lässt es kalt. Wenn ich Kinder der Nacht lese, interessiert mich die reine Idee des Zimmers so viel mehr als das spätere Lügenschach, die Liebelei, der Abgang darin. Nicht für den Abriss des Bürgertums, für den Aufbau eines Kleinkunstreiches bewundere ich Cocteaus zeitlose Erzählung. Für die feine Hervorhebung dessen, was die Welt sein kann, wenn ich sie so sehen will, wenn auch nur für kurz: ein kunstsinniges Zimmer voller Stilbrüche, in dem ein lächelndes Herz schlägt.

Dieses Zimmer gilt es zu finden.

Sonntag, 22. Juli 2018

Die abgewandte Eva

Es gibt eine Regel, vielleicht die wichtigste: Jeder gesunde, erwachsene Mensch hat eine Eigenverantwortung für sein Tun. Hormone? Ausrede. Druck? Ausrede. Geld? Ausrede. Gott? Tot. Ich allein bin verantwortlich für meine Entscheidungen, meine Handlungen und Nichthandlungen. Auch wenn es nie so einfach ist, es nie sein kann; die Verantwortung ist da.

Es gibt welche, die entscheiden sich dafür, von einem Tier an der Leine gezogen zu werden. Es gibt solche, die entscheiden, ganz bewusst, sich gegen Geld heiße Tinte in die Haut ritzen zu lassen. Es gibt Menschen, die entscheiden sich für die Wirtschaft, das Schreiben, den Nachwuchs, Stabhochsprung, die Politik.

Und es gibt Menschen (nicht wenige), die entscheiden sich dafür, einer Frau auf den Po zu klapsen. Bei meinem heutigen Dienst im Touristenschloss: im ersten Stock beobachte ich einen Mann (schwarze Lederjacke, Bauch), der neben einem zweiten an der vergoldeten Fensterbankkante lehnt, direkt hinter der lebensgroßen, nackten Evastatue von Auguste Rodin, sehr gelassen, fast gelangweilt. Plötzlich stoßen sich die beiden Männer ab, bewegen sich in den Raum, vorbei an der Eva im Adamskostüm, und der Lederjackenmann gibt Rodins verschämtem Meisterwerk im Vorbeigehen zwei – nicht einen: zwei – Klapse auf den harten Hintern. Ich starre den Typen fassungslos an, er trifft meinen Blick, ich schüttle den Kopf, er macht eine dumme, entschuldigende Pantomime, lächelt hinterher, verschwindet mit dem Kumpel im nächsten Raum. Ich drehe meinen Kopf zu ihr: Rodins Eva hat den Blick längst abgewandt, seit 1881 wendet sie den Blick ab, ich kann es ihr nicht verübeln.

Was bewegt einen Menschen, so zu sein? Wäre ich nicht im nächsten Moment zur Pause abgelöst, ich wollte die schwarze Lederjacke aufhalten und sie fragen, warum. Ich habe gesehen, was sie getan haben, wir sind zwei erwachsene Menschen, ich möchte nur den Grund, das ist alles. Natürlich, ich weiß, es gibt die Nur-Sager, wahrscheinlich ist er einer von ihnen: ist doch kein Mensch, ist doch „nur“ eine Statue. War doch „nur“ Spaß. Nur, nur, nur – wer hat dieses unnütze Wort überhaupt erfunden? Mit „nur“ ist nichts zu holen, nichts zu gewinnen, nichts zu entschuldigen.

Ob ich der Skulptur, der Kollegin oder der Direktorin auf den Hintern klapse – was ändert es? Letztlich gibt es nur eine Frage, die ich mir stellen muss, jeden Tag aufs Neue: Was für ein Mensch möchte ich sein? Wenn ich zufällig ein Mann bin, und der Mensch sein möchte, der Frauen auf den Hintern klapst, dann ist das meine Entscheidung. Wenn ich in den Fünfzigern, Sechzigern geboren wurde, wird es mich vielleicht verwundern, warum jetzt so eine große Sache darum gemacht wird; es ändert nichts an der Aktion an sich. Ein öffentlicher Klaps auf den Hintern einer Fremden, einer Kollegin, einer Eva, es war niemals „nur“ ein Klaps. Es war immer schon und wird immer eine ziemlich lächerliche, peinliche, sich selbst erniedrigende und für einen Beobachter zum Schämen lausige Aktion sein – völlig egal, ob es eine Konsequenz nach sich zieht oder nicht.

Was für ein Mensch möchte ich sein? Bis heute weiß ich keine befriedigende Antwort auf diese Frage. Wohl aber weiß ich, was für ein Mensch ich nicht sein möchte. Leute wie der Lederjackenmann machen sie mir sehr einfach, diese Entscheidung.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Samstag, 14. Juli 2018

Semmeln und Mitleid

Heute möchte ich von einem Kollegen erzählen. Er trägt Brille, blondes Borstenhaar, bundesheerkurz, hat eine gewölbte Oberlippe, einen kindlichen, konstant verwunderten Blick. Er ist nicht „von hier“, wie man so sagt, wie so viele, er kommt aus einem anderen Land ins Museum, es könnte jedes Land sein, es ist der Kosovo. Die Eltern haben ihn nach der Schule hierher geschickt, allein, er wohnt am schönen blauen Fluss, allein, geht zur Arbeit, allein, wird alleine nach Hause fahren. Wenn die Semmeln beim Bäcker knusperfrisch sind, freut er sich, freut sich ehrlich und spricht euphorisch darüber. Seine Gedanken sind einfach, sein Weltbild ein Kind. Er glaubt fest daran, dass jeder Chinese Karate kann, doch er glaubt es ohne Ideologie, ohne Vorsatz oder bösen Willen. Einmal soll er sich im Museum hingelegt haben, weil er müde war. Ein paar Mal hat er sich im Dienst verlaufen, im Lift eingesperrt. Manche Kollegen reden nachsichtig über ihn, manche belustigt, andere meiden ihn, halten sein Tempo nicht aus, verzweifeln an der Schlichtheit. In manchen Firmenobjekten ist er gesperrt. Es heißt, seine Familie kommt ihn nie besuchen.

Ich sehe ihn selten, aber ich denke oft an den Kollegen, zuletzt träumte ich sogar von ihm: Wir arbeiten bei einer faden Gartenveranstaltung, ich drehe meine Runden um die Gäste, da sehe ich ihn plötzlich am Boden liegen. Ich hetze zu ihm, beuge mich hinab – der Kollege ist zur Kindergröße geschrumpft, das Gesicht rot und verquollen, die hellen Bundesheerborsten zu fettigen, teerschwarzen Strähnen verwachsen; er muss etwas vom Catering genascht haben, kombiniere ich, eine allergische Reaktion, er bekommt keine Luft. Ich wiege ihn in meinen Armen, beruhige ihn, rede gut zu, bis er wieder größer und schwerer wird und die roten Wunden langsam verschwinden, der Atem zurückkommt. Er tut mir Leid, in diesem und in allen Momenten, denke ich im Traum, denke ich weiter, als ich aufwache.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich dabei ertappe, Mitleid mit ihm zu haben. Ich sehe ihn allein und glaube ihn einsam, ohne Familie und Freunde, ohne reflektierten Geist. Und es stört mich, dieses vage, falsche Mitleid. Ich schreibe ihm Traurigkeit zu, obwohl ich kein Recht darauf habe, denn letztlich denke ich dabei wieder nur an mich; ich fühle kein Mitleid, weil ich weiß, dass es ihm schlecht geht, ich fühle Mitleid, weil ich mir vorstelle, dass ich mich an seiner Stelle schlecht fühlen würde. Doch woher weiß ich, dass er nicht völlig anders empfindet, als ich es in seiner Situation täte, wer sagt, dass er nicht glücklich und zufrieden sein kann mit seinem Leben, nur weil ich glaube, es nicht selbst führen zu wollen, mit mir?

Ich muss daran denken, was André Breton in seinen didaktisch-surrealen Manifesten über die Tiere schreibt, die wir ständig mit menschlichen Gefühlen ausstatten, und den Hund „treu“ nennen, nur weil wir unsere Eigenschaften auf ihn übertragen – was allzu leicht dazu führen kann, „Mücken für absichtlich grausam und den Krebs für vorsätzlich rückschrittlich zu halten.“ Breton nennt diese vermenschlichte Beurteilung der Tiere eine „bedauerliche Nachlässigkeit des Denkens“, und ich muss ihm zustimmen, diesem strengen Träumer, muss nicken und will noch ergänzen: Nicht nur die Beurteilung der Tiere ist meist vermessen und vereinfachend, auch die Einschätzung der Mitmenschen ist es; wenn sie wieder nur von sich selbst ausgeht und den Mitmenschen kein eigenes Erleben zugesteht – eines, das völlig konträr, unverständlich zu meinem eigenen steht; dem einzigen, das ich wirklich kennen kann, wenn überhaupt.

Wie kann ich mich also anmaßen, das Empfinden meines Kollegen zu beurteilen, wenn ich ihn selbst nur flüchtig und oberflächlich kenne? Es ist völlig unnütz und beschränkt, dieses wertende, sture Denken, so wie Breton es bei einem (zutiefst intellektuellen) Hundeliebhaber feststellte, der felsenfest davon überzeugt war, was sein Hund für ihn empfindet – um sich damit selbst besser, geliebter zu fühlen. Und letztlich ist mein schnelles Mitleid auch nur das: ein Weg, mich selbst besser zu fühlen. Als wäre ich es, als wäre irgendjemand besser als der Kollege, als der borstenblonde, junge Mann, der sich über frische Semmeln freut und ohne Hilfe in einer Stadt zurechtkommt, die ihm nichts geschenkt hat – und der im Übrigen niemals traurig aussieht, wenn ich ihn treffe.   

Dienstag, 10. Juli 2018

Über Frechheit

„Frechheit siegt“ – nur, es stimmt nicht. Sie führt vielleicht zum Ziel, zu einem Erfolg, doch dieser Erfolg ist kein Sieg, wenn er nicht nach gewissen Regeln spielt. Wenn die Touristin ihre Tochter gratis ins Museum schmuggelt, indem sie vorgibt, sie hätte ihr Ticket verloren, wenn der Tourist ein Wunschbild heimlich fotografiert, obwohl er weiß, dass es nicht fotografiert werden darf, und dennoch so tut, als hätte er es nicht gewusst, falls er ertappt wird, wenn die andere Touristin ein Gemälde anfasst, um das Verlagen nach Berührung zu stillen, und sich dann überrascht entschuldigt, wenn der Alarm oder die Aufseherstimme schreit … Dann sind das freche, kindische Aktionen, die jeden Respekt vor einem Museum vergessen oder nie gelernt haben, die sich rigoros regellos in einer Welt bewegen, deren Regeln sie zu gut kennen.

Es ist ein seltsames Gefühl: immer wieder scheint es mir im Dienst, als beträten viele erwachsene Besucher ein Museum zum allerersten Mal, als wüssten sie nicht, was das mit den Bildern da ist und wie man sich hier vielleicht verhalten sollte, weil man der Hausordnung still zugestimmt hat. Doch es ist ein Trug, ein falsches Bild; niemand ist zum ersten Mal in einem Museum, der sich die Reise hierher leisten kann, und es ist keine Premiere, es ist der Charakter, der so tut, als kenne er keine Verbote, der sich jedes Mal wieder überrascht und schockiert zeigt, dass es in jedem Museum der Welt ein Rucksackverbot gibt. Und sich in jedem Moment darüber hinwegsetzt, in dem der Aufseher gerade wegsieht, gerade woanders ist.

Ich habe mich über eine Regel hinweggesetzt: Ich habe meinen Willen durchgesetzt: Ich bin frech. Der Erfolg gibt der Frechheit Recht, kann man sagen, lädt sie zur Wiederholung ein, gibt dem Ausführenden ein Glücksgefühl; doch es ist ein trügerisches. Weil in der Frechheit immer schon ein kleiner Betrug liegt, und dieser Betrug jedes Ziel schmälert, es relativiert und sich dabei selbst herabsetzt. Am Ende habe ich nichts erreicht, wenn ich es mit unfairen Mitteln erreicht habe. Dann steht am Ende zwar der Erfolg (am Museumsbeispiel: ich habe meiner Tochter den Eintritt erspart, ich habe das Wunschbild am Handy), doch ich habe mich dafür selbst erniedrigt, weil ich dafür betrügen musste. Deshalb ist der Erfolg kein Sieg, sondern eine Niederlage. Weil er weiß, wie er zustande gekommen ist.

Von außen betrachtet, erreicht mein Leben vielleicht weniger, wenn ich nicht frech bin, es nicht sein möchte, wenn ich nicht die Frechheit besitze, meinen Anstand zu betrügen und meinen Willen respektlos durchzusetzen. Doch erreiche ich nichts, habe ich auch nichts verloren; habe mich nicht im Betrug erniedrigt, mich nicht selbst oder die Welt belogen – und  mich damit zum Verlierer gemacht. Nicht nach außen hin, aber innerlich; denn Frechheit verliert. Sie ist schneller, einfacher, erfolgreicher, aber sie setzt die Frechen selbst herab, wenn sie die Frechheit besitzen, bewusst frech zu handeln. Und in der Frechheit so tun, als gelten gewisse Regeln nur für alle, aber nicht für sie. Und sich noch darüber freuen, damit durchgekommen zu sein.

Deshalb liegt mir das Scheitern so viel näher: es wirkt einfach aufrichtig. Wer ehrlich scheitert, hat menschlich nichts verloren. Wer mit Trug gewinnt, bleibt immer ein Verlierer.

Samstag, 30. Juni 2018

Die Regeln des Gewissens


Ich bin verspätet; der Wecker schreit, ich höre es nicht, die Sonne scheint, ich spüre sie nicht. Der Körper, die Tage davor noch angeschlagen, schwach, er nimmt sich, was er braucht, und erst der Anruf aus der Zentrale holt mich aus dem Winterschlaf – ich schrecke hoch, mein Blick auf die Uhr im Regal, fünf Minuten vor Dienstbeginn. Ich fluche, komme hoch, greife nach dem Dienstanzug. Renne.

Ich bin oft pünktlich, aber nie zu spät. Heute, das ist das erste Mal, dafür richtig. Durchgeschwitzt und aufgelöst empfange ich das Funkgerät in der Zentrale, schreibe mich in die Liste, fünfundvierzig Minuten nach Dienstbeginn. Ich bin wütend, ehrlich wütend auf mich und meinen Körper, und melde mich beschämt und klein bei der Oberaufsicht. Heute ist sie es, die Gute, die Freundliche, die Beste. Ich versuche, mich bei ihr zu entschuldigen, die Oberaufseherin wehrt noch im Satz ab – „Nein, nein, ist gar kein Problem, alles gut. Würdest du heute bitte das Ticket machen? Danke, danke dir!“

Er ist nicht gespielt, dieser Ton, sie ist wirklich so. Wie Kinder witzig sind, ohne es zu wissen, ist sie natürlich höflich, weil es für sie selbstverständlich ist, weil sie gar nicht anders kann, und jede Dienstanweisung noch wie eine Bitte klingt, jedes Lächeln auch so gemeint ist. Nur dank ihr habe ich die nächsten sieben Stunden fünfzehn Minuten ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Wäre heute jemand anderes hier, wäre ein verschwitzter Gorilla heute die Oberaufsicht, würde er mich anschnauzen, den Kopf schütteln, blöde Sprüche machen über meine Verspätung, es wäre mir gleich. Ein Mensch, vor dem ich keinen Respekt habe, kann mir nichts anhaben; Wut und Gebrüll machen jede Person winzig, und für ein schlechtes Klima muss ich nicht pünktlich sein (schon gar nicht bei diesem Gehalt). Was interessiert mich, was ein Gorilla von mir denkt? Wäre die Oberaufsicht ein Oberarsch, mein Gewissen wäre unbelastet.

Doch diese Güte, diese unendlich nachsichtige Reaktion auf mein Verschlafen, sie zwingt mein Gewissen erst dazu, sich zu regen und zu versprechen, es das nächste Mal (alle nächsten Male) wieder besser zu machen, es besser machen zu wollen, weil sie es verdient hat, diese herzensgute, angenehme Person, die ich nicht, nie wieder enttäuschen möchte. Nicht trotz, sondern weil sie es verzeiht, es immer verzeihen wird.

Nur dort kann das Gewissen schlecht werden: wo der Umgang gut ist.

Donnerstag, 31. Mai 2018

Relationen (IX)

Ein Banker kauft sich eine Rolex. Ein Autor kauft sich Zeit.